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© A.R.Penck, Malerei

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A.R.Penck

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Werke aus der Sammlung Böckmann

Ralf Winkler (der ab 1968 den Namen A.R. Penck annimmt) wird am 5. Oktober 1939, gut einen Monat nach Hitlers Überfall auf Polen, in Dresden geboren. Sechs Jahre später erreicht der Krieg seine Heimatstadt. Im Februar 1945 wird Dresden in einem infernalischen Bombenhagel in Schutt und Asche gelegt. Ralf Winkler sieht als Fünfjähriger aus seinem Fenster die brennende Stadt und die nicht enden wollende Zerstörung. Hautnah erlebt er den Einschlag des Politischen in sein junges Leben. »Das waren für mich die wichtigsten und eindrücklichsten Erlebnisse als Junge … Am Anfang war das Ende.« Jahre später wird er die Frage nach dem Warum stellen, nach Erklärungen, nach einem Modell suchen, die Welt im Bild zu beschreiben. Jahre später wird sich die Frage auftun: »Wie kann man Deutschland darstellen, wie kann man Deutschland malen?«

Im Jahr 1961, dem Jahr der deutschen Teilung, gibt es erste Antworten. Ralf Winkler ist Anfang zwanzig als er mit den ersten Weltbildern seine künstlerische Sprache entwickelt, die ihn weltberühmt machen sollte. Im Rückgriff auf die Höhlenmalerei entsteht ein abstraktes künstlerisches Zeichenvokabular, mit dem Penck gesellschaftliche Verhältnisse, „Haltungsabhängigkeiten“ im Spannungsfeld zwischen Individuum und Gesellschaft in signalhaft-kraftvolle Bilder bannt. So kann er das geteilte Deutschland malen, als Konflikt der Systeme und Machtblöcke, als Kampf zwischen Ost und West.

Aus dieser künstlerischen Zeichensprache entwickelt Penck sein theoretisches Modell »Standart«, das er als seinen „positiven Beitrag zum Sozialismus versteht“. Denn er glaubt durchaus zu dieser Zeit an eine Veränderung der Verhältnisse, an eine freie Gesellschaft auf dem Boden der DDR. Doch diese Hoffnung wird erschüttert. Der Staat verwehrt ihm die Anerkennung, lehnt seine Mitgliedschaft im Verband Bildender Künstler ab und dies ist für sein Leben in der DDR gleichbedeutend mit dem Verbot als Künstler öffentlich tätig zu sein.

Der Ausweg ist der Westen. Im Jahr 1965 lernt A.R. Penck den Galeristen Michael Werner kennen, der beginnt, Bilder von Penck in den Westen zu schmuggeln und ihm 1968 in Köln die erste Einzelausstellung ermöglicht. Von da an wird das Werk regelmäßig in Galerien und Museen im Westen ausgestellt, 1972 nimmt Penck an der documenta in Kassel teil. Mit dem steigenden Westerfolg wird Ralf Winklers Lebenssituation im Osten zunehmend prekärer. Die Hoffnung auf gesellschaftliche Veränderungen versiegt in der DDR mit der Ausbürgerung Wolf Biermanns im Jahr 1976 endgültig. Es kommt zur ersten Begegnung mit Jörg Immendorff in Ost-Berlin, dem West-Künstler, der sich wie Penck in seiner Arbeit den politischen Verhältnissen im geteilten Deutschland widmet. Beide beschließen in ihrem »deutsch-deutschen Vertrag«, die politische Thematik in ihrer künstlerischen Arbeit weiter voranzutreiben. In der DDR jedoch lebt Penck zunehmend in der Isolation. Die Drangsalierungen der Staatssicherheit werden rigider und führen schließlich dazu, dass Ralf Winkler im Jahr 1980 zur »Ausreise« in die Bundesrepublik Deutschland gezwungen wird.

Nach kurzem Aufenthalt in der Bundesrepublik verlässt Penck schließlich auch den Westen Deutschlands: »Deutscher Immigrant in Deutschland – das geht nicht. Wenn man schon ein Immigrant sein muss, dann auch ein richtiger.« Er lebt heute in Irland.

Wie neben ihm vielleicht nur Jörg Immendorff hat A.R. Penck die politischen Verhältnisse im geteilten wie im vereinten Deutschland zum Thema seiner Kunst gemacht. Gerade in diesen Tagen, in denen wir eine der größten Systemkrisen der jüngeren Zeit erleben, stellt sein Werk die Frage nach den Möglichkeiten einer anderen Gesellschaft, der wir uns zu stellen haben.

Die Ausstellung, kuratiert von Carsten Ahrens, Weserburg Bremen, stellt A.R. Penck mit Werken aus der Sammlung Böckmann, Berlin, vor. Mit ca. 40 Bildern aus den Jahren 1956 bis 2007 zählt die Sammlung Böckmann zu den bedeutendsten Penck-Sammlungen Europas. Von den frühen Portraits über die Standart-Bilder bis zu den TM-Bildern und Werken aus den letzten Jahren besitzt die Sammlung herausragende Arbeiten aus unterschiedlichen Schaffensperioden des Künstlers. Ergänzt wird die Ausstellung durch Künstlerbücher und Schallplatten von A.R. Penck aus weiteren Privatsammlungen und dem Archiv des Studienzentrums für Künstlerpublikationen in der Weserburg.

Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog mit Texten von Carsten Ahrens, Susanne Hinrichs, Harald Kunde, Jürgen Schilling und A.R. Penck.

Blick in die Ausstellung:

Eröffnung:
21.04.2010, 18.00 Uhr

Eintritt:
6,00 € und 4,00 € ermäßigt
1,00€ für Schüler

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