Chiharu Shiota
Die aus Japan stammende und in Berlin lebende Künstlerin Chiharu Shiota zählt zu den international bedeutendsten Vertreterinnen der zeitgenössischen Installationskunst. Mit ihren raumgreifenden Arbeiten aus Fäden, Objekten und persönlichen Gegenständen schafft sie poetische Räume, in denen unsichtbare Verbindungen sichtbar werden.
Shiotas Kunst beschäftigt sich mit grundlegenden Fragen menschlicher Existenz: Was verbindet uns mit anderen Menschen? Welche Spuren hinterlassen Begegnungen und Erinnerungen? Und wie prägen Erfahrungen unsere Identität? Ihre filigranen Netzwerke aus Fäden verwandeln den Ausstellungsraum in ein Geflecht aus Beziehungen, Gedanken und Lebensgeschichten.
Die Künstlerin verbindet persönliche Erfahrungen mit universellen Themen wie Körper, Erinnerung, Zeit und Vergänglichkeit. Materialien wie Fäden, Licht, gebrauchte Gegenstände und persönliche Objekte werden zu Trägern von Geschichten und emotionalen Bedeutungen. In ihren Installationen wird das Unsichtbare – Gefühle, Erinnerungen und innere Zustände – zu einer unmittelbar erlebbaren räumlichen Erfahrung. Die Künstlerin Chiharu Shiota beschreibt, wie ihre Krebserkrankung ihr Verständnis von Körper, Leben und Kunst grundlegend verändert hat. Während ihres Krankenhausaufenthalts fühlte sie sich von ihrem eigenen Körper entfremdet und begann, existenzielle Fragen über die Beziehung zwischen Körper, Seele und Identität zu stellen. Diese Erfahrung führte dazu, dass sie die Zerbrechlichkeit des menschlichen Körpers verstärkt in ihrer Kunst thematisiert. Angesichts der Konfrontation mit dem Tod begann sie, Materialien zu verwenden, die über den Körper hinaus Bestand haben.
Arbeiten wie Out of My Body, Light in the Darkness, die Werkgruppe Cell sowie die Zeichnungen Connected to the Universe reflektieren die Beziehung zwischen Körper, Raum und Existenz. Shiota betrachtet den Menschen als Teil eines größeren Geflechts, in dem individuelle Erfahrungen mit kollektiven Erinnerungen und universellen Zusammenhängen verbunden sind.
Auch ihre Kofferobjekte unter dem Titel Where to Go, What to Exist greifen Fragen nach Reise, Übergang und Erinnerung auf. Der Koffer wird zum Symbol für das, was Menschen durch ihr Leben tragen: Erfahrungen, Beziehungen und persönliche Geschichten. Mit der Ausstellung Verbundenheit im White Cube der Kunsthalle Rostock lädt Chiharu Shiota die Besucherinnen und Besucher ein, über die Netzwerke nachzudenken, die unser Leben bestimmen. Ihre Installationen schaffen stille, poetische Erfahrungsräume, in denen persönliche Erinnerungen und universelle Fragen miteinander in Verbindung treten.
Chiharu Shiota – Verbundenheit – Parallelpräsentation zur Ausstellung „Wer bin ich dank dir? – Trauer (er)leben im 21. Jahrhundert“ Die parallel stattfindende Präsentation von Chiharu Shiota in der Kunsthalle Rostock ist eine unmittelbare künstlerische Bezugnahme mit der Ausstellung „Wer bin ich dank dir? – Trauer(er)leben im 21. Jahrhundert“.
Während sich die Ausstellung „Wer bin ich dank dir?“ aus einer gesellschaftlichen und persönlichen Perspektive mit Abschied, Verlust, Erinnerung und den Spuren menschlicher Beziehungen auseinandersetzt, nähert sich Chiharu Shiota diesen Themen aus der Perspektive der zeitgenössischen Kunst. Ihre Arbeiten beschäftigen sich seit vielen Jahren mit Erinnerung, Abwesenheit, Vergänglichkeit, Identität und Verbundenheit und machen unsichtbare Beziehungen und emotionale Verbindungen räumlich erfahrbar.
Die beiden Ausstellungen verfolgen dabei unterschiedliche Ansätze und bleiben als eigenständige Projekte voneinander getrennt. Gerade diese Differenz ermöglicht jedoch eine gegenseitige Erweiterung: Die individuelle Lebenswirklichkeiten ausgerichtete Ausstellung wird durch die poetische und metaphorische Sprache von Shiotas Kunst um eine weitere Perspektive ergänzt. Umgekehrt erhalten die in Shiotas Arbeiten verhandelten Themen durch die unmittelbare Auseinandersetzung der Hauptausstellung mit persönlichen Erfahrungen von Verlust und Trauer einen konkreten gesellschaftlichen und lebensweltlichen Kontext.
Die Korrespondenz beider Ausstellungen entsteht somit nicht durch eine inhaltliche Gleichsetzung, sondern durch unterschiedliche Zugänge zu verwandten Fragen: Wie bleiben Menschen miteinander verbunden? Wie manifestieren sich Erinnerung und Abwesenheit? Und welche Formen können Beziehungen und Verlust annehmen?
Die Präsentation von Verbundenheit erweitert damit die Ausstellung „Wer bin ich dank dir?“ um eine eigenständige künstlerische Position und schafft innerhalb der Kunsthalle Rostock einen Dialog zwischen persönlicher Erfahrung, gesellschaftlicher Auseinandersetzung und zeitgenössischer Kunst. Gleichzeitig erhält Shiotas Präsentation durch die unmittelbare räumliche und zeitliche Nachbarschaft eine zusätzliche Lesart, ohne ihre Eigenständigkeit als Ausstellung aufzugeben. Förderung und Unterstützung: Die Kunsthalle Rostock gGmbH wird gefördert durch die Hanse- und Universitätsstadt Rostock, das Ministerium für Wissenschaft, Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten Mecklenburg-Vorpommern, den Verein „Freunde der Kunsthalle Rostock e. V.“, die OSPA-Stiftung, die ROSTOCK PORT GmbH, die Nordwasser GmbH, die Stadtwerke Rostock AG und die Wall GmbH. Gesundheitspartner: Klinikum Südstadt Rostock, Kulturpartner: NDR Kultur Bild Oben: Chiharu Shiota Out of my Body, 2022 Installation: leather, bronze ARoS Aarhus Art Museum, Aarhus, Denmark Photo: Anders Sune Berg © VG Bild-Kunst, Bonn, 2026 and Chiharu Shiota
Susanne Kandt-Horn
Wer bin ich, dank dir?
Rostocker Kunstpreis 2026
Hidden Place