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Herta Günther, Großstadt, 1979, vernis mou courtesy Kunsthalle Rostock

Herta Günther, Großstadt, 1979, vernis mou
courtesy Kunsthalle Rostock Elisaweta Klutschewskaja, Regenabend am Kalininplatz, 1975, Aquarell, courtesy Kunsthalle Rostock Herta Günther, Wartende II, 1981, Farbradierung, courtesy Kunsthalle Rostock Paul Furmann, Nächtliche Straße, 1924, Radierung, courtesy Kunsthalle Rostock

Großstadt-Impressionen

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mit Werken von Heinrich Ehmsen, Paul Fuhrmann, Herta Günther, Gitta Kettner, Elisaweta Dmitrjewna Klutschewskaja, Fritz Koch-Gotha, Oskar Manigk und Magnus Zeller

Straßenlärm, Menschentrauben, Gedränge von Passanten und Fahrzeugen, Hochhäuser, dicht an dicht, hellleuchtende Reklamen und Schaufenster der Kaufhäuser sind typische Merkmale einer Großstadt.

Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts gab der französische Schriftsteller und Dichter Charles Baudelaire einen entscheidenden Anstoß, das alltägliche großstädtische Leben zu einem künstlerischen Thema aufzuwerten. Angefangen im weltstädtischen Paris des 19. Jahrhunderts beobachteten Künstler das Treiben bei Tag und Nacht; wenn sie nicht zugleich den spontanen Eindruck zu Papier brachten. Baudelaire selbst beschreibt den Künstler in seinem gleichnamigen Essay als „Maler des modernen Lebens“, als dandyhaften Flaneur – der Inbegriff von Modernität schlechthin.
Die Großstadt wurde zu einem Antrieb der modernen Kunst; der Impressionismus eine ihrer ersten Strömungen.

Neben der beeindruckenden Großstadtarchitektur inspirierte die Künstler seit jeher, das vielschichtige, von Extremen geprägte Bild einer urbanen Gesellschaft.
Mit Entstehung eines neuen Motivkanons, der die großstädtischen Plätze, Straßen, Bars, Cafés, Kaufhäuser, Theater oder Kinos fasst, war es schließlich der Großstädter, dessen Physiognomie und Verhalten genauestens zu analysieren, zu kritisieren, gar zu karikieren galt. Insbesondere in den 1920er Jahren findet sich diese Auseinandersetzung in Werken des Verismus (Neue Sachlichkeit) wieder.

Eine gleichzeitige Überempfindlichkeit gegenüber der Großstadt, die sich unter anderem durch Entfremdung äußerte, war Kehrseite des modernen großstädtischen Lebens. Sie beeinflusste letztlich auch die Stadtflucht und führte zur Gründung von Künstlerkolonien.

Einen gravierenden Einschnitt in die Entwicklung moderner Kunstströmungen verursachte schließlich die nationalsozialistische Kunst- und Kulturpolitik der 1930er und 1940er Jahre. Doch hatten die zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelten Themen und Stile besonderen Einfluss auf die Kunstentwicklung nach 1945. Das Motiv der Großstadt wird beispielsweise mit Beginn der 1960er Jahre, insbesondere von ostdeutschen Künstlern, wieder aufgegriffen.

Für die kleine Ausstellung im Café wurden aus der grafischen Sammlung der Kunsthalle Rostock Werke ausgewählt, die exemplarisch einen Einblick in die Entwicklung des Großstadtmotivs im 20. Jahrhundert bieten können. Ziel dieser Präsentation ist es nicht und kann es auch nicht sein, das Sujet in seiner Komplexität zu fassen und mit Werken zu veranschaulichen.

Beginnend mit Bleistiftstudien einer Berliner Straßenszene und des Café Jostys von Fritz Koch-Gotha aus dem Jahr 1907, über expressiv bis veristisch anmutende Bar-, Caféhaus- und Straßenszenen von Magnus Zeller, Heinrich Ehmsen oder Paul Fuhrmann, zeigen Werke aus den 1960er und 1970er Jahren vom im Berlin wohnhaften Künstler Oskar Manigk, von den Dresdnerinnen Gitta Kettner und Herta Günther oder der bis zu ihrem Tod in Berlin und Moskau lebenden Elisaweta Klutschewskaja in stilistisch ganz unterschiedlicher Weise Eindrücke ihrer großstädtischen Lebensorte.

Eintrittspreis:
frei

Die Ausstellung ist im Café der Kunsthalle Rostock zu sehen.

Ausstellung:
18.06.2018 – 05.08.2018

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19.05.2018 – 05.10.2018

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