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Otto Möhwald Großes Atelierbild, 1979 Öl auf Leinwand, 129 x 160 cm Aus der Sammlung der Kunsthalle Rostock

Otto Möhwald
Großes Atelierbild, 1979
Öl auf Leinwand, 129 x 160 cm

Aus der Sammlung der Kunsthalle Rostock

Bild der Woche / 13 / Otto Möhwald

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Großes Atelierbild

1979, Öl auf Leinwand, 129 x 160 cm

Otto Möhwald ist ein stiller Künstler. Malerische Exzesse entsprechen nicht seinem Temperament. Die Dinge sind einfach. Ein karger Raum, wie der Titel besagt, ein Atelier. Das Sujet ist geläufig: Maler und Modell. Wer denkt da nicht an Picasso.

In das Bild von Otto Möhwald muss man zunächst hineinhören. Das Schauen mag uns verleiten, die Szene wie ein Voyeur zu betrachten; allerdings sind wir ja eingeladen, das Bild öffnet sich weit zum Betrachter hin. Was wir hören, ist vor allem, wie der Raum mit Hilfe des Lichtes einen Klang bildet.

Zunächst also der Raum, der sich nach hinten zu verengt: In einem Winkel, auf einem Hocker oder Stuhl sitzt der Künstler, Möhwald selbst, denke ich, wenngleich die Person des Malers aufgrund der Darstellungsweise anonym bleibt. Diagonal dazu, in fühlbarer Distanz, eine auf dem Sofa sitzende Frau. Die Bildfiguren spannen den Raum aus; das Tageslicht von oben einfallend – Glühbirnen würden anderes Licht erzeugen – taucht das Atelier in eine eigentümliche Helligkeit. Das Licht ist weder strahlend, noch kalt, noch warm. Aber es ist sehr atmosphärisch. Sein diffuser Charakter lässt keine harten Schatten zu. Alle Farben des Bildes „schwimmen“ in diesem Licht. Sie lassen den Raum leicht vibrieren. Der großzügige Pinselstrich, der jedes Details meidet, trägt dazu bei.

Irritierend ist das Weiß der Leinwand auf der Staffelei. Es scheint den Künstler zu blenden. Und was fremd ist: Er schwingt den Pinsel nicht, ist (momentan) scheinbar unfähig zu malen, wie in einem Kokon eingeschlossen wendet er nur den Kopf in die Richtung seines Aktmodells. (Das Hadern des Schriftstellers mit dem ersten weißen, noch unbeschriebenen Blatt Papier kommt einem da in den Sinn.)

Aber die Situation ist vieldeutig und auch so gemeint, die Projektion des Betrachters in verschiedene Richtungen möglich. Das Aktmodell wirkt abwesend, aber die nebensächliche Geste verhindert eine nähere Deutung. So bleibt die Geschichte, die hier vielleicht erzählt wird, im Ungefähren. Ich denke, Möhwalds Atelierbild handelt insbesondere von Gefühlen und Stimmungen. Raum und Licht in ihren Intervallen und Rhythmen geben dem Gemälde die Richtung vor und erzeugen so den „Sound“ des Bildes.

Ilja Kabakov, unnachahmlicher Weltkünstler (wir zeigten unlängst im Sommer 2018 eine Ausstellung mit Werken von Ilya und Emilia Kabakov), erzählte einmal, dass in der Sowjetunion sowohl künstlerisch als auch real immer die Räume wichtiger gewesen seien, als die Dinge, die sich in Ihnen befänden; allerdings sei es, als er in den Westen kam, genau umgekehrt gewesen: die Dinge selbst (wie z. B. Möbel u. a.) spielten die entscheidende Rolle, der Raum war nur nebensächlich interessant.

Möhwalds Malweise erinnert, nicht im Detail aber in der Geste, im Charakter an den großartigen Morandi. Morandis Motive waren Motive der Nähe und nicht breit gefächert, wie auch bei Möhwald nicht. Morandi malte v.a. Stillleben und was sich bei einem Blick aus dem Fenster ergab. Es ging immer um das Licht, und wie es das Sehen formt, um Andeutungen, die die Wahrnehmung öffnen. Das Schaffen Otto Möhwalds ist ähnlich geprägt von einer Neigung zur Reduktion, zum affektlos Nüchternen, ja, wenn man das so sagen kann, zum Meditativen. Beide Künstler malten, was sie in ihrem engeren Lebensradius interessierte: Möhwald beschränkte sich auf seine Stadt Halle und auf das Atelier. Morandi verließ Italien gar nur ein einziges Mal zur Vorbereitung einer Ausstellung in der Schweiz.

Otto Möhwald, Großes Atelierbild, 1979, Öl auf Leinwand, 129 x 160 cm

Anm.: In der Rostocker Kunsthalle haben wir uns mit dem Thema Maler und Modell umfänglich beschäftigt. Erich Kissing und Kerstin. Maler und Modell. April / Mai 2018 mit Arbeiten von Kissing, Borges, Hoyer, Rössler

Autor: Dr. Ulrich Ptak

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