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Hermann Glöckner – Gelbe Giebel (Wünschendorf) 1936, Tempera auf Papier auf Hartfaser, 45 x 58 cm

Hermann Glöckner – Gelbe Giebel (Wünschendorf)
1936, Tempera auf Papier auf Hartfaser, 45 x 58 cm

Bild der Woche / 15 / Hermann Glöckner

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Gelbe Giebel (Wünschendorf)

1936, Tempera auf Papier auf Hartfaser, 45 x 58 cm

Die angesehene Pinakothek der Moderne in München richtete vor etwa einem Jahr eine umfassende Schau mit Werken Hermann Glöckners (1889 – 1986) ein. Glöckner wurde als „Meister der Moderne“ betitelt und als Ausnahmekünstler gefeiert. Und in der Tat hat der Künstler ein spezifisches, herausragendes Œuvre hinterlassen; sein Schaffen wurde allerdings erst spät gewürdigt.

1889 in Cotta bei Dresden geboren, besucht er eine Gewerbeschule und studiert an der Akademie in Dresden. In den 30er Jahren wendet sich Glöckner scheinbar einfachen, aber doch elementar-konstruktiven Untersuchungen von Form und Material zu. Es entsteht das sogenannte Tafelwerk. Dieses Tafelwerk wird Glöckners Kunst stets begleiten. In den 70er Jahren zum Beispiel arbeitet er an Faltungen und Zeichnungen, die darauf zurückgreifen. Die Kunsthalle zeigt gegenwärtig im Schaudepot eine Auswahl von Zeichnungen und Drucken aus dieser Zeit. Sie machen deutlich, wie konzeptuell, allerdings auch intuitiv Glöckner in seinem Schaffen vorgeht.

Anfang der 30er Jahre dominieren motivisch vor allem Hochspannungsleitungen, Bahnschranken, Masten und Schornsteine (die auch zum Vokabular der „Neuen Sachlichkeit“ gehören). Ab 1934 etwa bevorzugt Glöckner dann die dörfliche Architektur und reist mehrfach in die nahegelegenen Orte Wünschendorf und Dittersbach.

In Wünschendorf entsteht auch unser Bild. Das Motiv wurde vom Künstler in weiteren, anderen Zeichnungen und Gemälden mehrfach variiert. Augenscheinlich interessieren ihn Dächer und Giebel in ihrer reinen Form. Hier, in diesem Beispiel, sind sie, stark abstrahiert, wie mit einem Stempel gedruckt – durch leuchtendes Gelb und Rot hervorgehoben. Auch Blau, Lila und Grün werden verwendet, rahmen die leuchtenden Dreiecke und Rechtecke aber nur ein. Der Künstler hat nach diesen geometrischen Konstellationen gesucht, sie entsprechen seinem Gefühl für die Zeichenhaftigkeit des Motivs, seinem Vermögen, sich ganz auf die Gestaltwahrnehmung zu konzentrieren. Die Landschaft selbst ist nur nachgeordnet wichtig.

Auf den ersten Blick einfach gehalten, ist die Komposition doch nach seinen eigenen und den allgemeinen Regeln des Künstlerischen aufgebaut. Erwähnt sei hier nur der durch den Giebelpunkt des großen roten Daches markierte „Goldene Schnitt“. Die Hinführung zur Abstraktion der Landschaft wird noch verstärkt durch die schablonenhaft wirkende Spachteltechnik des Farbauftrages.

In den oben erwähnten Zeichnungen aus unserer Sammlung, die ihre besondere Anmutung auch durch die Faltungen des Papiers erlangen, kann man bei aufmerksamer Betrachtung Formen ausmachen, die sich bereits in unserem Bild aus dem Jahre 1936 finden. (Im Übrigen wird diese spezifische Kunstform – Papierfaltung und Zeichnung miteinander zu Kombinieren – auch von den bekannten Künstlern Hanns Schimansky und Christin Wilcken angewendet.)

Freunde der Abstraktion werden sich unserem Bild wohl eher zuwenden als Betrachter, die die reine Naturanschauung bevorzugen. Im Falle Glöckner ist ein Wissen um seine Arbeitsweise durchaus hilfreich. (Informationen finden sich z.B. auch auf der Website des Glöckner- Archivs)

Hermann Glöckner – Gelbe Giebel (Wünschendorf), 1936, Tempera auf Papier auf Hartfaser, 45 x 58 cm

Ausstellung im Schaudepot der Kunsthalle (Obergeschoß):
Hermann Glöckner. Aus der Sammlung der Kunsthalle Rostock, 04.08. – 20.9.2020

Autor: Dr. Ulrich Ptak

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