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Hermann Naumann Landschaft 1977 184 x 120 cm © Aus der Sammlung der Kunsthalle Rostock

Hermann Naumann
 Landschaft
1977
184 x 120 cm
© Aus der Sammlung der Kunsthalle Rostock

Bild der Woche / 8 / Hermann Naumann

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Landschaft

1977, 184 x 120 cm

Was für ein Auftritt! Naumanns große Landschaft ist imposant. Sie hing bevorzugt im Erdgeschoß der Kunsthalle, entweder im Entree oder in dem für große Formate räumlich angemessenen Plastiksaal, der so benannt wird, weil man ursprünglich dort ausschließlich Plastiken bzw. Skulpturen ausstellte.

Das Bild entfaltet seine Wirkung auf den ersten Blick; betrachtet man es etwas länger, kommt es auf einen zu: ein Crescendo. Selbst wenn man das Kunstmuseum verlassen hat, hallen Bildsprache und Komposition nach. Entscheidend ist auch, wo man das Bild sieht; der Zusammenklang von Raum und Bild wird oft vernachlässigt, ist aber wesentlich. Mit den hohen Fenstern und dem kachelartigen Fussboden des Plastiksaals befindet sich das Werk offensichtlich in Zwiesprache, in einer kongenialen Kommunikation gewissermaßen.

Wesentliche Bedeutung misst Naumann den Rahmen seiner Bilder zu. Die „Landschaft“ wird von einem klassischen, aber kompakt und schwer wirkenden Rahmen eingefasst. Dieser sorgt auch ideell für Gewicht. Und signalisiert: Das ist eine abgeschlossene Komposition(!) und keine rasche Impression, die sich nach allen Seiten weiterspinnen lässt. Also, Rahmenform- und Maß sind keine Nebensächlichkeiten.

Die Kunsthalle stellte das Werk des 1930 in Radebeul geborenen Malers, Grafikers und Bildhauers 1977 im Rahmen einer Ausstellungsreihe, die sich „Dresdener Kunst“ nannte, vor. In der Schau, die als Werkübersicht konzipiert war, wurde bereits deutlich, dass das Œuvre Naumanns inhaltlich und technisch sehr weit gefasst war. Unser hier vorgestelltes Bild und einige weitere, in diesem Stil gemalte, nehmen durchaus eine Sonderstellung im Schaffen des Künstlers ein, denn Naumann changierte zwischen (zumeist) kurvigen und kantigen Ausdruckswerten. Seine außerdem umfassende grafische Arbeit nahm vor allem Bezug auf große literarische Werke, insbesondere die der jüdischen Kultur. Mit enormer Akribie trieb Naumann im vergessenen Verfahren des Punzenstichs Punkt für Punkt in die Kupferplatten; selbst eine Linie wurde durch eine Aneinanderreihung von Punkten kreiert. Ich kann mich erinnern, dass mich dieser enorme konzentrative und zeitliche Aufwand stark beeindruckt hat.

Die „Landschaft“, im Jahr der Kunsthallen-Ausstellung entstanden, ist offenbar aus der Natur abstrahiert. Im Grunde genommen gibt es zwei Möglichkeiten der Abstraktion: Ich erfinde völlig frei etwas, das aus farbigen, flächigen oder räumlichen Elementen besteht. Oder ich reduziere im Bild einen realen Eindruck soweit, wie ich die Abstraktion treiben möchte. Als Rezipient/Betrachter hat man nun die Möglichkeit, das Bild unabhängig vom Abstraktionsgegenstand anzuschauen, sagen wir, den Farben und dem Rhythmus zu folgen oder aber, eher dem Titel entsprechend, eine Landschaft zu sehen. Letzterem folgend würde ich vermuten, der Künstler habe einen strahlenden Morgen gemalt; wohl, weil die Farben so jubilieren. Wer einen Abend vermutet: Warum nicht – auch der Künstler hat sich ja im Titel nicht festgelegt.

Ich mag, wie die Farben gesetzt sind; der Zusammenklang macht mich froh. Obwohl mit dem Spachtel dick aufgetragen, wirken sie spielerisch. Der Horizont teilt das Bild so, dass der Himmel viel Raum hat, um sich vom Orange über Rot und Gelb zum Blau hin nach oben zu entfalten. Rätselhaft bleiben die drei relativ schmalen, vertikalen Blöcke. Sie wirken einerseits fremd für das imaginierte Bild einer Landschaft, geben der Komposition andererseits aber eine besondere Spannung.

Nicht sicher bin ich mir, ob der heute 90-jährige Hermann Naumann den 1915 geborenen, großartigen Nicolas de Stael gekannt hat, der, wie Naumann, ein reiches druckgrafisches Werk schuf, aber eben, und das ist besonders, auch diese blockhaften, gespachtelten Landschaften hervorbrachte, die sich zwischen Abstraktion und Einfühlung ansiedeln. Denkbar wäre es.

Bild der Woche:
Hermann Naumann – Landschaft, 1977, 184 x 120 cm

Autor:
Dr. Ulrich Ptak

Bilder:
Aus der Sammlung der Kunsthalle Rostock

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