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Michael Morgner, Familienporträt mit Freunden 1974 165 x 250 cm © Aus der Sammlung der Kunsthalle Rostock

Michael Morgner, Familienporträt mit Freunden
1974
165 x 250 cm
© Aus der Sammlung der Kunsthalle Rostock

Bild der Woche / 5 / Michael Morgner

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Familienporträt mit Freunden

1974, 165 x 250 cm

Eines der Hauptbilder unserer Sammlung stammt von Michael Morgner. Es ist ein formal großes Bild und meines Erachtens auch ein großer Wurf. Es stammt aus dem Jahr 1974 und trägt den Titel „Familienporträt mit Freunden“. Welche Familie ist hier gemeint und um welche Freunde geht es? Das ist vor allem interessant, wenn man um die Geschichte des Bildes weiß, die auch mir lange nicht bekannt war.

Aber: Ein Bild muss sich zunächst selbst erklären. Wissen ist hilfreich, kann allerdings auch das unvoreingenommene Betrachten des Kunstwerks verhindern. Denn: Ein gutes Kunstwerk ist grundsätzlich offen für alle Interpretationen und Gefühle. Und Soziologen sagen, das Kunstwerk ist erst dann vollendet, wenn der Betrachter es sich zu eigen macht.

Doch zum Bild: Dank seiner Größe hat es eine beträchtliche Wirkung von Ferne, aber auch, wenn man näher herantritt ist es beeindruckend in seiner religiösen Anmutung. Farbigkeit und Komposition lassen an Darstellungen des Abendmahls denken oder an Gemälde mit dem Motiv der Heiligen Familie. Dazu tragen die Gesten der Bildfiguren entscheidend bei, auch deren Mimik. Der Bärtige, der die Hand beschwörend, beschwichtigend oder segnend erhoben hat, wie ein Priester oder Jesus, ist ein Freund der Familie, der Künstler Thomas Ranft. Daneben, in scheinbar demütiger Haltung, aber doch warmer Ausstrahlung sitzt die Frau des Künstlers; rechts daneben, außen, bescheiden, Michael Morgner. Vor den Eltern steht die gemeinsame Tochter, die, besonders hervorgehoben, wie in frühen Jesus-Kind-Darstellungen die Weltkugel – hier natürlich den Ball – emporhebt. Letztgenannte drei Personen (Die heilige Familie) bilden durchaus eine eigene Gruppe.

Zentrale Figur ist aber die komplett in schwarz gekleidete Person; sie erhält einen dominanten Platz im Bilde, füllt diesen machtvoll aus. Der rote Stuhl (ein existenzielles Zeichen) ist, zum Anfassen präsent. Rechts außen lagert die Frau von Thomas Ranft bacchantisch auf einer Liege, vor ihr der inselhaft isolierte, markant herausgehobene Tisch mit den Willkommens-Symbolen Brot und Wein, vermutlich einem Samowar und dem Aschenbecher.

Man fühlt sich in Komposition und Farbe an die Malerei des 17. Jahrhunderts erinnert, nicht zuletzt an Rembrandt, oder, andererseits, an mittelalterliche Glasfenster, z.B. denen des Erfurter Doms, von Morgner mehrfach erwähnt.

Interessant ist, wie die aufmerksame, konzentrierte Atmosphäre der Bildfiguren sich im Gegensatz zu den unruhigen Farbmassen (emotionale Bewegtheit?) verhält, die, in typisch morgnerischer Manier und Dynamik, den Hintergrund bilden.

Was aber ist mit dem Mann im Vordergrund? In einigen Darstellungen des Abendmahls (Ghirlandaio, Cosimo Rosselli) sitzt Judas isoliert, mit dem Rücken zum Betrachter. Morgner erzählt, dass ein simples Foto als Vorlage für das Gemälde diente. Man saß gemeinsam mit Freunden im Garten. Die Komposition ist im Wesentlichen also nicht konstruiert. Der Mann auf dem Stuhl, der Hohepriester auf dem Thron, der Seher und Weissager war ein bekannter Galerist, allerdings auch ein Weitersager, nicht wirklich ein Freund, sondern – wie sich nach dem Fall der Mauer herausstellte – ein Spitzel des Ministeriums für Staatssicherheit.

Bild der Woche:
Familienporträt mit Freunden
1974, 165 x 250 cm

Michael Morgner
1942 geboren, wurde auch bekannt als Mitglied der unangepassten Künstlergruppe Clara Mosch (1977 – 1982)

Autor:
Dr. Ulrich Ptak

Bilder:
Aus der Sammlung der Kunsthalle Rostock

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