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Manfred Kastner, Die Stadt 1982, Öl auf LW 100 x 130 cm © Aus der Sammlung der Kunsthalle Rostock

Manfred Kastner, Die Stadt
1982, Öl auf LW
100 x 130 cm 
© Aus der Sammlung der Kunsthalle Rostock Manfred Kastner
Grenzbahnhof, 1984
 Öl auf LW
100 x 90 cm
© Aus der Sammlung der Kunsthalle Rostock

Bild der Woche / 4 / Manfred Kastner

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Die Stadt

1982, 100 x 130 cm

Manfred Kastner wurde seinerzeit bewundert. Allerdings auch angegriffen. Selten sah man Bilder wie diese. Natürlich, man hatte von Dali gehört, dem Surrealisten. Aber das, was Kastner da machte, war noch einmal anders. Und dann sein aristokratisches Auftreten.

Der 1943 geborene Künstler war zunächst Präparator und Restaurator in Stralsund – was zu erwähnen, im Hinblick auf seine exakte Maltechnik nicht unbedeutend ist. Als Autodidakt interessierte er sich, wie nahezu alle Künstler der Küste für Caspar David Friedrich, aber später insbesondere für die Akteure der sogenannten Pittura metafisica (lat. metaphysische Malerei). Diese war weit entfernt von einer Kunst-Auffassung, wie man sie in der DDR vorhielt. Die karge, präzise und unwirkliche Malerei Kastners hatte kontroverse Debatten bis in die höchsten Eben der DDR-Kulturpolitik veranlasst; Willi Sitte nahm sich des Falles persönlich an. Es folgte ein jahrelanges Gezerre um seine Person. Auch, weil man wohl zu viel in seine Bilder hineinlegte.

Das Bild „Die Stadt“ von 1982 scheint uns heute, mit dem Bildgedächtnis unzähliger Fantasy-Filme, wie Endzeit-Science-Fiction. Aber auf den zweiten Blick doch auch anders, es fühlt sich nicht wie Zerstörung an, oder Verwahrlosung – eher denkt man an eine mit dem Baukasten zurecht-komponierte Stadtlandschaft. Eine großartige Stille liegt über allem. Ja, ich glaube, die Suggestion der Stimmung, das ist es, was der Maler meint.

Kastner nahm für DDR-Verhältnisse das sonderbare Privileg in Anspruch, eine Merkwürdigkeit zu kreieren, eine verträumte Festung, eine Toteninsel, ein Atlantis mit Altstadt, der Malerei der 20er Jahre entstiegen. Man spürt die Faszination Kastners, klare, schneidende Kanten zu bilden. Weitere Merkmale: Fenster verlieren sich im Dunkeln, massiv erodierendes Gestein an statisch prominenter Stelle, die sinnlos platzierte Straßenlampe (Magritte), eine Rauchfahne, die in der Ferne eine zauberhaft zarte Form bildet, jenseits der Annahme, dort sei ein Werk in Betrieb. Über allem liegt ein (gefährlich?) strahlendes Licht, das tiefe Schatten wirft. Kastners Werk befriedigt auf wunderbare Weise unsere Sehnsucht nach dem Irrealen.

In einer weiteren Arbeit Kastners aus unserer Sammlung dagegen steht das Symbolische im Vergleich zum Stimmungshaften mehr im Vordergrund. Es ist leicht einzusehen, was in dem Werk von 1984 mit dem Titel „Grenzbahnhof“ gemeint ist und bedarf keiner weiteren Interpretation.

Kastner starb bereits 1988 bei einem Verkehrsunfall.

Noch zur Pittura metafisica: Maler wie der Italiener Giorgio Chirico beeinflussten Kastner. Chirico gilt als Hauptvertreter einer metaphysischen Malerei, die als Vorläufer des Surrealismus angesehen wird.

Bild der Woche:
Manfred Kastner – Die Stadt
1982, 100 x 130 cm

Autor:
Dr. Ulrich Ptak

Bilder:
Aus der Sammlung der Kunsthalle Rostock

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