Schließen

Gudrun Arnold Interieur, 1977 Öl auf Leinwand 60 x 70 cm Aus der Sammlung der Kunsthalle Rostock

Gudrun Arnold
Interieur, 1977
Öl auf Leinwand
60 x 70 cm

Aus der Sammlung der Kunsthalle Rostock Anneliese Schöfbeck
Balkonausblick Schloß Puchow
1985
Acryl auf Hartfaser 
83 x 61 cm

Aus der Sammlung der Kunsthalle Rostock

Bild der Woche / 12 / Gudrun Arnold / Anneliese Schöfbeck

dsc_9792.jpg

Interieur / Balkonausblick Schloß Puchow

Die Sammlung der Kunsthalle Rostock beherbergt nicht sehr viele Werke wie diese hell und luftig gemalten Interieurs. Impressionistisch könnte man sie nennen, wenn nicht beide Künstlerinnen sowohl hier als auch in anderen Werken zu expressiver Ausdruckskraft neigten. Beide Arbeiten sind in ihrer Ausstrahlung und dem Motiv ähnlich. Gudrun Arnold und Anneliese Schöfbeck – beide Malerinnen des Nordens, für ihre Landschaften bekannt – wollen die Impression eines Innenraumes einfangen. Das Licht scheint durch große Fenster und Türen, die zu einer Veranda oder wie im Bild Schöfbecks, zu einem Balkon führen.

Wir kennen das Phänomen, dass sich Bilder von Kunstwerken aufgrund ihrer emotionalen Ansprache im Gedächtnis festsetzen und unsere Wahrnehmung im Alltag beeinflussen. Eine bestimmte Struktur oder die Form eines künstlerischen Ausdrucks prägt sich so ein, dass man diese, zumindest für eine Weile, in der realen Welt, in den Schwingungen eines wogenden Feldes, dem Rhythmus einer Horizontlinie, auf einer Tapete oder in gewöhnlichen Dingen des Alltags entdeckt.

Zum Beispiel Adolph Menzel. Das 1845 in der Frühphase seines Schaffens gemalte Balkonzimmer ist so im Bildgedächtnis verankert, dass man das Arnold‘sche Bild sofort damit assoziiert, wenngleich sich beide Bilder, die im Abstand von mehr als hundert Jahren gemalt sind, nur wenig ähneln. Allerdings befindet sich im Bilde Arnolds Inventar wie in Menzels Balkonzimmer: ein Stuhl mit einer runden Rückenlehne, ein Spiegel, der auf dem Fußboden steht, Reflexe auf dem Zimmerboden – ein Teppich in der Veranda? – rechts eine Diagonale und auch das Licht kommt von rechts. Etwas Undefiniertes links außen, leicht angeschnitten, wie auch im Werk Menzels, wo es rätselhaft, unvollendet wirkt.

Aber wie anders formuliert Gudrun Arnold die Szene mit ausdruckssicher hingeworfenen Pinselstrichen, ohne ins Detail zu gehen. Sie nennt ihre Arbeit „Interieur“, die Künstlerin betont also auch das Innenleben des Doppelraumes. Sie platziert den Stuhl frontal und bestückt ihn mit einer Fruchtschale. Zum Zentrum des Bildes gehören ebenso ein Schrank, davor ein Kübel mit einer Geranie (Schauen Sie, ich könnte mich in der Spezies täuschen, aber wie famos, diese mit wenigen Pinselstrichen anzudeuten!). Möglicherweise erst auf den zweiten Blick entdeckt man die Künstlerin; der Spiegel zeigt sie an der Staffelei malend. Eine andere Blickachse geht in die Ferne, die Gardine ist zurückgezogen, man sieht am Horizont ein Schiff auf der Ostsee. Ich nehme an, es ist die Ostsee, die Malerin lebt auf Rügen. Das Bild ist nicht elegant gemalt, eher rasch, energetisch, den Moment einfangend, mit einem großartigen, schönen Gefühl für das Licht.

Auch die Arbeit von Anneliese Schöfbeck thematisiert das Licht. Wie in einem Zug gemalt, in fast rauschhafter Anmutung inszeniert Anneliese Schöfbeck einen Raum mit Balkonausblick. Nahezu verstellt wird der Raum durch den Flügel, der ein kompliziertes aber dynamisches Verhältnis zu den Fluchtlinien von Balkontür und Gardine eingeht. Um die Lichtreflexionen auf der polierten Oberfläche wiederzugeben, arrangiert sie das Piano vor dem, nur mit wenigen Zickzack-Strichen angedeuteten Vorhang. Die Perspektiven (siehe aufgeklappter Deckel des Flügels, die nach links kippende Tür) stimmen nur bedingt; aber es ist wohl kaum die Absicht der Künstlerin, ein ausgewogenes Abbild der Realität zu schaffen. Auf die Stimmung kommt es an, auf die Melodie, den Rhythmus, auf das Musikalische sozusagen. Grafische Elemente (Reihungen wie die Tasten des Flügels und die Elemente des Balkongitters) wechseln sich mit Schwunghaftem ab. Die kantigen Farbfelder auf dem Flügel deuten bereits auf die von Schöfbeck später bevorzugten Abstraktionen hin. Der „Balkonausblick“ ist ein furios komponiertes Bild, für mich immer ein Seherlebnis.

Ich hoffe, dass beide Werke nicht zu lange im Depot der Kunsthalle verbleiben und bald wieder in einer Ausstellung zu sehen sein werden.
Allerdings können Sie beide Bilder schon jetzt in Augenschein nehmen. Wir vereinbaren gerne einen Termin mit Ihnen für einen Besuch im Schaudepot der Kunsthalle Rostock.

Bild der Woche:
Gudrun Arnold
Interieur, 1977, Öl auf Leinwand, 60 x 70 cm

Anneliese Schöfbeck
Balkonausblick Schloß Puchow, 1985, Acryl auf Hartfaser, 83 x 61 cm

Autor:
Dr. Ulrich Ptak

dsc_4517.jpg

Wir haben weiterhin für Sie geöffnet!

Nach dem Bau des Schaudepots und dem Umzug des Teams und der Sammlung der Kunsthalle Rostock beginnt nun die umfangreiche zweijährige Generalsanierung des Architekturdenkmals. Das Vorhaben wird finanziell mit 4,17 Mio. EUR durch Mittel aus dem Europäischen Fonds für R...

wilfried-schroeder-10.jpg

Feierliche Enthüllung der Bronzeplastik

Im Gräsergarten der Kunsthalle Rostock fand am 16.10.2020 um 11 Uhr die feierliche Enthüllung der Bronzeplastik „Großer Stehender“ statt. Der Bildhauer Wilfried Schröder fertigte in den letzten zwei Jahren eine neue Fassung der Bronzeplastik an, nachdem das Original...

khr_pdr.jpg

Beste Ausstellung des Jahres 2019

Deutschlands Kunstkritiker haben unsere Schau "Palast der Republik – Utopie, Inspiration, Politikum" zur besten Ausstellung des Jahres gekürt. In ihr sei "leicht verständlich und wissenschaftlich sachlich" anhand von Design, Architektur, Kunst und Fotografie die Gesc...

leute-im-raum.jpg

Bild der Woche / 3 / Stefan Plenkers

1980/81, Öl auf Leinwand, 114 x 130 cm Stefan Plenkers ist ein Dresdner Maler und Grafiker, geboren 1945. Er studierte an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden und war dort Meisterschüler bei Gerhard Kettner. Das Bild, dass sich in unse...

dsc_9112.jpg

Bild der Woche / 1 / Hermann Lindner

1977, Acryl auf Hartfaser, 85 x 79 cm In unserer Sammlung befinden sich vier Werke des Stralsunders Hermann Lindner (1943 – 2000). Eines davon, eine Landschaft („Schaprode“, 1976) ist eine Schenkung des Künstlers. Zwei weitere Arbeiten sind ebenfalls Landschaften („Trüber Wintertag“, 1978, und „Schwarze Bo...

rolf-werner.jpg

Bild der Woche / 2 / Rolf Werner

1984, Öl auf Hartfaser, 46 x 36 cm Rolf Werner und die „Naiven“ in der Sammlung der Kunsthalle Rostock In der Sammlung der Kunsthalle befinden sich erstaunlich viele Werke, die sich stilistisch der sogenannten „naiven Kunst“ zuschreiben lassen. Dieser Begriff wurde in ...

dsc_8999.jpg

Bild der Woche / 4 / Manfred Kastner

1982, 100 x 130 cm Manfred Kastner wurde seinerzeit bewundert. Allerdings auch angegriffen. Selten sah man Bilder wie diese. Natürlich, man hatte von Dali gehört, dem Surrealisten. Aber das, was Kastner da machte, war noch einmal anders. Und dann sein aristokratisches Au...

751734-michael-morgner-familienportraet-mit-freunden-1974-oel-auf-lw-165-x-250-cm.jpg

Bild der Woche / 5 / Michael Morgner

1974, 165 x 250 cm Eines der Hauptbilder unserer Sammlung stammt von Michael Morgner. Es ist ein formal großes Bild und meines Erachtens auch ein großer Wurf. Es stammt aus dem Jahr 1974 und trägt den Titel „Familienporträt mit Freund...

741226-johannes-mueller-rostock-lange-strasse-mit-marienkirche-1967-oel-auf-lw-70-x-90-cm.jpg

Bild der Woche / 6 / Johannes Müller

1967, 70 x 90 cm Johannes Müller war der Philosoph unter den Rostocker Künstlern. Oft schien er in sich gekehrt, aber forderte man ihn heraus, war man gefangen. Seine Diskurse umspannten vor allem die Architektur, die Musik und die Regeln der Ku...

img_0105.jpg

Bild der Woche / 7 / Willi Sitte

1972, 270 x 165 cm „Die Sieger (Brigadesieger)“ ist ein typisches Gruppenbild jener Zeit. Menschen ringen um die Wahrheit, sind entweder auf der richtigen Seite oder auf der falschen. Auf der richtigen Seite ist man ein „Sieger der Geschichte“, wie es damal...

dsc_9415.jpg

Bild der Woche / 8 / Hermann Naumann

1977, 184 x 120 cm Was für ein Auftritt! Naumanns große Landschaft ist imposant. Sie hing bevorzugt im Erdgeschoß der Kunsthalle, entweder im Entree oder in dem für große Formate räumlich angemessenen Plastiksaal, der so benannt wird, weil man ur...

susannekandt-horn.jpg

Bild der Woche / 9 / Susanne Kandt-Horn

1977, 118 x 118 cm Philipp Otto Runge und Caspar David Friedrich sind Anfang des 19.Jahrhunderts Stars und begründen mit ihren malerischen Konzepten und Anschauungen die Frühromantik in Deutschland. Runge, 1777 in Wolgast geboren und viel zu jung mit 33 Jahren gestorben, war ei...

dsc_9027.jpg

Bild der Woche / 10 / Konrad Knebel

Konrad Knebel, 1932 in Leipzig geboren, malt spätestens seit Ende der 50er Jahre vor allem und dann nahezu ausschließlich Stadtlandschaften. Sein Oeuvre ist riesig und umfasst mehrere hundert Bilder. Knebel studierte in Ost-Berlin bei Kurt Robbel und Arno Mohr (We...

dsc_9696.jpg

Bild der Woche / 11 / Theodor Rosenhauer

Öl auf Leinwand 39x 57 cm Rosenhauers (1901 – 1996) „Brot und Wein“ war immer eines der Lieblingsbilder unserer Besucher. Das Stillleben ist nicht sehr groß, wie auch die Darstellung bei aller Präsenz etwas Intimes hat. Dargestellt sind tatsächlich nur der ge...

gerd-boehme-sitzendes-maedchen.jpg

Bild der Woche / 14 / Gerd Böhme

Öl auf Leinwand, 93 x 64 cm Von Gerd Böhme (1989 – 1978) ist nicht sehr viel bekannt. Der Künstler studierte in Dresden, arbeitete auch dort, lebte aber zeitweilig sehr zurückgezogen. Böhme arbeitete mit verschiedenen Stilmitteln; nach 1945 ausschließlich abstrakt...

hermann-gloeckner-gelbe-giebel.jpg

Bild der Woche / 15 / Hermann Glöckner

1936, Tempera auf Papier auf Hartfaser, 45 x 58 cm Die angesehene Pinakothek der Moderne in München richtete vor etwa einem Jahr eine umfassende Schau mit Werken Hermann Glöckners (1889 – 1986) ein. Glöckner wurde als „Meister der Moderne“ betitelt und als Ausna...

otto-moehwald.jpg

Bild der Woche / 13 / Otto Möhwald

1979, Öl auf Leinwand, 129 x 160 cm Otto Möhwald ist ein stiller Künstler. Malerische Exzesse entsprechen nicht seinem Temperament. Die Dinge sind einfach. Ein karger Raum, wie der Titel besagt, ein Atelier. Das Sujet ist geläufig: Maler und Mode...

hro_museumsstadt_instagramstory_200916.jpg

Rostock die Museumsstadt

Mitten in der Innenstadt in einem der schönsten und ältesten Baudenkmäler unserer Stadt, dem 1270 gegründeten Kloster zu Heiligen Kreuz beheimatet, ist das Kulturhistorische Museum Rostock die Schatzkammer der Hanse- und Universitätsstadt. Eines der ältesten, größte...