Schließen

Theodor Rosenhauer ( 1901-1996) Stillleben mit Brot und Wein, 1967 Öl auf Leinwand, 39x 57 cm Aus der Sammlung der Kunsthalle Rostock.

Theodor Rosenhauer ( 1901-1996)
Stillleben mit Brot und Wein, 1967
Öl auf Leinwand, 39x 57 cm

Aus der Sammlung der Kunsthalle Rostock.

Bild der Woche / 11 / Theodor Rosenhauer

dsc_9696.jpg

Stillleben mit Brot und Wein, 1967

Öl auf Leinwand
39x 57 cm

Rosenhauers (1901 – 1996) „Brot und Wein“ war immer eines der Lieblingsbilder unserer Besucher. Das Stillleben ist nicht sehr groß, wie auch die Darstellung bei aller Präsenz etwas Intimes hat. Dargestellt sind tatsächlich nur der geflochtene Brotkorb mit dem sich darin befindlichen Bauernbrot und die Weinflasche. Die Flaschenform nennt man Bocksbeutel. Sie wird vor allem für fränkischen Wein genutzt. Ich kann mich allerdings nicht erinnern, ob derartige Weinflaschen auch in den 60er Jahren, als dieses Bild entstand, in der DDR in Gebrauch waren. Geflochtene Körbe waren beliebt, man schätzte handwerkliche Arbeit – wie auch Dekor und Gebrauchsgegenstände aus Keramik, die man allerdings „unter dem Ladentisch“ bekam, wie man damals sagte, wenn etwas nur „mit Beziehung“ aufzutreiben war. Wein allerdings war Mangelware und man konnte leider nur die untrinkbaren Massenabfüllungen aus Ungarn und Rumänien kaufen, es sei denn, man kam an die für den West-Export bestimmten Weine aus Sachsen heran. Aber das Brot! Wir hatten ausgezeichnetes Brot damals. Besonders im Süden wurde die Tradition des Brot- und Kuchen-Backens hochgehalten und schon von Weitem roch es nach einer Bäckerei.

Ich erwähne dies auch, weil es Rosenhauer augenscheinlich um die Kostbarkeit der Dinge allgemein und die der dargestellten im Besonderen ging. Nichts lenkt von der intensiven und konzentrierten nahezu andachtsvollen Betrachtung ab (ähnlich, freilich nicht in der Form, Morandi), keine Perspektive, kein Tisch, obwohl wir natürlich annehmen, da sei ein Tisch, aber wie man sieht, ist es gar nicht notwendig, einen Tisch anzudeuten. Brot und Wein sind dicht aneinander gerückt, die Flasche scheint ein wenig (will gar nicht sagen trunken) zu taumeln. Strahlendes Licht liegt auf allem, die bemehlte, schrundige Kruste scheint hell auf, aber besonders die zwei größeren weißen Flecken auf der Weinflasche nähren diese Illusion des von oben herabfallenden Lichtes, denn natürlich haben wir es hier mit einer Illusion zu tun.

Aber anders als bei den Meistern der Lasurmalerei (die berühmte, imitierte Fliege auf dem Bild, die man versucht, zu verscheuchen), wird in unserem Stillleben die Farbe „alla prima“ verwendet und man sieht wie Rosenhauer die bereits angemischte Farbe dick aufträgt, so dass Sie reliefartig auf der Leinwand liegt. Die Anmutung des rissigen Brotes verhält sich adäquat zu dem groben Malstil, aber was ist mit der glatten Oberfläche der Weinflasche? Rosenhauer lässt sich nicht beirren. Er ist ja kein Illusionist, sondern ein ernsthafter Maler und dieser Malstil des haptisch-erhabenen Farbauftrags ist sein Markenzeichen.

Rosenhauer hat eine beachtliche Anzahl von Brot-Stillleben gemalt, aber auch Landschaften, meist Stadtlandschaften der Dresdner Vororte. Alle Gemälde seines Œuvres strahlen sehr viel Atmosphäre aus; diese entsteht explizit durch den erwähnten pastosen Farbauftrag. Man benötigt eine stark intuitive Auffassung, um mit dieser Technik umzugehen, denn die Farbe wird ja teilweise direkt aus der Tube auf die Leinwand aufgebracht.

Natürlich sind Brot und Wein christlich-ikonografisch besetzt, d.h. Brot und Wein sind Motive, die spätestens seit dem Abendmals- Darstellungen geläufig sind. Rosenhauer war allerdings kein Mann komplizierter Bildstrukturen oder geheimnisvoller Rätsel, obwohl spirituell veranlagt bevorzugte er die sinnliche Seite der Kunst. Theodor Rosenhauer war auch kein Mann der Öffentlichkeit. Er wurde in der DDR nie besonders erwähnt oder hervorgehoben. In einschlägigen Kompendien Ostdeutschlands sucht man vergeblich nach Einträgen. Sein Vertrauen in die eigene Arbeit hatte anscheinend darunter nicht gelitten, deutet man die groß ins Bild hineingeschriebene Signatur rechts unten diesbezüglich: der Schriftzug „Th. Rosenhauer“ wird
selbstbewusst zum Teil der Komposition.

Bild der Woche:
Theodor Rosenhauer, Stillleben mit Brot und Wein, 1967, Öl auf Leinwand, 39x 57 cm

Autor:
Dr. Ulrich Ptak

dsc_4517.jpg

Wir haben weiterhin für Sie geöffnet!

Nach dem Bau des Schaudepots und dem Umzug des Teams und der Sammlung der Kunsthalle Rostock beginnt nun die umfangreiche zweijährige Generalsanierung des Architekturdenkmals. Das Vorhaben wird finanziell mit 4,17 Mio. EUR durch Mittel aus dem Europäischen Fonds für R...

wilfried-schroeder-10.jpg

Feierliche Enthüllung der Bronzeplastik

Im Gräsergarten der Kunsthalle Rostock fand am 16.10.2020 um 11 Uhr die feierliche Enthüllung der Bronzeplastik „Großer Stehender“ statt. Der Bildhauer Wilfried Schröder fertigte in den letzten zwei Jahren eine neue Fassung der Bronzeplastik an, nachdem das Original...

khr_pdr.jpg

Beste Ausstellung des Jahres 2019

Deutschlands Kunstkritiker haben unsere Schau "Palast der Republik – Utopie, Inspiration, Politikum" zur besten Ausstellung des Jahres gekürt. In ihr sei "leicht verständlich und wissenschaftlich sachlich" anhand von Design, Architektur, Kunst und Fotografie die Gesc...

leute-im-raum.jpg

Bild der Woche / 3 / Stefan Plenkers

1980/81, Öl auf Leinwand, 114 x 130 cm Stefan Plenkers ist ein Dresdner Maler und Grafiker, geboren 1945. Er studierte an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden und war dort Meisterschüler bei Gerhard Kettner. Das Bild, dass sich in unse...

dsc_9112.jpg

Bild der Woche / 1 / Hermann Lindner

1977, Acryl auf Hartfaser, 85 x 79 cm In unserer Sammlung befinden sich vier Werke des Stralsunders Hermann Lindner (1943 – 2000). Eines davon, eine Landschaft („Schaprode“, 1976) ist eine Schenkung des Künstlers. Zwei weitere Arbeiten sind ebenfalls Landschaften („Trüber Wintertag“, 1978, und „Schwarze Bo...

rolf-werner.jpg

Bild der Woche / 2 / Rolf Werner

1984, Öl auf Hartfaser, 46 x 36 cm Rolf Werner und die „Naiven“ in der Sammlung der Kunsthalle Rostock In der Sammlung der Kunsthalle befinden sich erstaunlich viele Werke, die sich stilistisch der sogenannten „naiven Kunst“ zuschreiben lassen. Dieser Begriff wurde in ...

dsc_8999.jpg

Bild der Woche / 4 / Manfred Kastner

1982, 100 x 130 cm Manfred Kastner wurde seinerzeit bewundert. Allerdings auch angegriffen. Selten sah man Bilder wie diese. Natürlich, man hatte von Dali gehört, dem Surrealisten. Aber das, was Kastner da machte, war noch einmal anders. Und dann sein aristokratisches Au...

751734-michael-morgner-familienportraet-mit-freunden-1974-oel-auf-lw-165-x-250-cm.jpg

Bild der Woche / 5 / Michael Morgner

1974, 165 x 250 cm Eines der Hauptbilder unserer Sammlung stammt von Michael Morgner. Es ist ein formal großes Bild und meines Erachtens auch ein großer Wurf. Es stammt aus dem Jahr 1974 und trägt den Titel „Familienporträt mit Freund...

741226-johannes-mueller-rostock-lange-strasse-mit-marienkirche-1967-oel-auf-lw-70-x-90-cm.jpg

Bild der Woche / 6 / Johannes Müller

1967, 70 x 90 cm Johannes Müller war der Philosoph unter den Rostocker Künstlern. Oft schien er in sich gekehrt, aber forderte man ihn heraus, war man gefangen. Seine Diskurse umspannten vor allem die Architektur, die Musik und die Regeln der Ku...

img_0105.jpg

Bild der Woche / 7 / Willi Sitte

1972, 270 x 165 cm „Die Sieger (Brigadesieger)“ ist ein typisches Gruppenbild jener Zeit. Menschen ringen um die Wahrheit, sind entweder auf der richtigen Seite oder auf der falschen. Auf der richtigen Seite ist man ein „Sieger der Geschichte“, wie es damal...

dsc_9415.jpg

Bild der Woche / 8 / Hermann Naumann

1977, 184 x 120 cm Was für ein Auftritt! Naumanns große Landschaft ist imposant. Sie hing bevorzugt im Erdgeschoß der Kunsthalle, entweder im Entree oder in dem für große Formate räumlich angemessenen Plastiksaal, der so benannt wird, weil man ur...

susannekandt-horn.jpg

Bild der Woche / 9 / Susanne Kandt-Horn

1977, 118 x 118 cm Philipp Otto Runge und Caspar David Friedrich sind Anfang des 19.Jahrhunderts Stars und begründen mit ihren malerischen Konzepten und Anschauungen die Frühromantik in Deutschland. Runge, 1777 in Wolgast geboren und viel zu jung mit 33 Jahren gestorben, war ei...

dsc_9027.jpg

Bild der Woche / 10 / Konrad Knebel

Konrad Knebel, 1932 in Leipzig geboren, malt spätestens seit Ende der 50er Jahre vor allem und dann nahezu ausschließlich Stadtlandschaften. Sein Oeuvre ist riesig und umfasst mehrere hundert Bilder. Knebel studierte in Ost-Berlin bei Kurt Robbel und Arno Mohr (We...

dsc_9792.jpg

Bild der Woche / 12 / Gudrun Arnold / Anneliese Schöfbeck

Die Sammlung der Kunsthalle Rostock beherbergt nicht sehr viele Werke wie diese hell und luftig gemalten Interieurs. Impressionistisch könnte man sie nennen, wenn nicht beide Künstlerinnen sowohl hier als auch in anderen Werken zu expressiver Ausdruckskraft neigten. Beide Ar...

gerd-boehme-sitzendes-maedchen.jpg

Bild der Woche / 14 / Gerd Böhme

Öl auf Leinwand, 93 x 64 cm Von Gerd Böhme (1989 – 1978) ist nicht sehr viel bekannt. Der Künstler studierte in Dresden, arbeitete auch dort, lebte aber zeitweilig sehr zurückgezogen. Böhme arbeitete mit verschiedenen Stilmitteln; nach 1945 ausschließlich abstrakt...

hermann-gloeckner-gelbe-giebel.jpg

Bild der Woche / 15 / Hermann Glöckner

1936, Tempera auf Papier auf Hartfaser, 45 x 58 cm Die angesehene Pinakothek der Moderne in München richtete vor etwa einem Jahr eine umfassende Schau mit Werken Hermann Glöckners (1889 – 1986) ein. Glöckner wurde als „Meister der Moderne“ betitelt und als Ausna...

otto-moehwald.jpg

Bild der Woche / 13 / Otto Möhwald

1979, Öl auf Leinwand, 129 x 160 cm Otto Möhwald ist ein stiller Künstler. Malerische Exzesse entsprechen nicht seinem Temperament. Die Dinge sind einfach. Ein karger Raum, wie der Titel besagt, ein Atelier. Das Sujet ist geläufig: Maler und Mode...

hro_museumsstadt_instagramstory_200916.jpg

Rostock die Museumsstadt

Mitten in der Innenstadt in einem der schönsten und ältesten Baudenkmäler unserer Stadt, dem 1270 gegründeten Kloster zu Heiligen Kreuz beheimatet, ist das Kulturhistorische Museum Rostock die Schatzkammer der Hanse- und Universitätsstadt. Eines der ältesten, größte...